1963 Geboren in Linnich, NRW
1983 Auslandsaufenthalte in Mittelamerika, Asien und Nordafrika
1989 Studium der Kunstgeschichte und vergleichenden Religionswissenschaften an der FU Berlin
HDK Berlin, unter anderem bei Elke Lehmann und Gerd Hahn; erlernen von primitiven Brenntechniken bei
Gerhild Tschachler-Nagy
1992 Gründung der Werkstatt für Keramik in Brachelen NRW, Dozententätigkeit im öffentlichen- und privaten Raum

ÜBER DIE ARBEIT VON MARION SCHEIDTWEILER

Die keramischen Arbeiten von Marion Scheidtweiler sind Erzeugnisse experimentellen Arbeitens mit Ton auf Basis umfassender Werkstoff- und Methodenkenntnis. Sie stellen eine ausdrucksstarke Unikatkeramik dar, die geprägt ist von der Illusion großer Materialvielfalt.
Die verschiedenen Brenn- und Zusatztechniken – wie Papierofenbrand, Raku und Schmauchbrand – zeugen von der Faszination des Feuers und seiner Spuren. Der sich mitunter über mehrere Tage hinziehende Brennvorgang oder die Verwendung spezieller mineralischer Zutaten offenbaren den alchemistisch anmutenden Enstehungsprozess, der sich in den Erscheinungsformen der Objekte widerspiegelt. Durch die Gegenüberstellung fragmentarischer und versiegelter, glatter Oberflächen entstehen ästhetische Spannungsfelder, die das von der Natur inspirierte Formenvokabular der Objekte bestimmt. In den seriellen Anordnungen organischer, macro- und mikroskopischer Strukturen erkennen wir die Erscheinungsformen der Evolution. Durch eigenwillige Komposition oder Isolation werden diese in eine neue mystische Gegenwelt überführt. Die Plastiken erlangen so einen kultisch-rituellen Charakter. Ob das Objekt durch magische Suggestion, durch scheinbare Naturgewalt wie z.B. Austrocknungsprozesse oder durch Abnutzungsspuren seinen besonderen Charakter erhält. Immer zeigt sich die Verneigung der Künstlerin vor den schöpferischen Kräften der natürlichen und kulturellen Welt.

Beatrix Tichelman